Wo die Pille aufhört, fängt das Fühlen an – ein persönlicher Blick auf hormonelle Verhütung
Aktualisiert: vor 2 Tagen
Manchmal höre ich: «Du als Naturheilpraktikerin bist sicher gegen die Pille.»
Da schon mal gleich vorneweg: In meinen naturheilkundlichen Begleitungen bist du willkommen. Du bist willkommen, wenn du die Pille nimmst und wohl damit bist. Du bist willkommen, wenn du die Pille nimmst und nicht (mehr) wohl damit bist. Du bist willkommen, wenn du die Pille noch nie genommen hast oder nicht mehr nimmst.
Kurz: Du – als Mensch – bist willkommen!

Tatsache ist, dass viele Frauen in meine naturheilkundliche Begleitung finden, die sich Gedanken über ihre hormonelle Verhütung machen oder die Pille absetzen möchten, weil sie Veränderungen an sich wahrnehmen.
Wie zum Beispiel:
«Ich habe das Gefühl, weniger Energie zu haben.»
«Ich habe gar keine Lust mehr auf Sex.»
«Mein Körper fühlt sich oftmals wie taub an.»
«Ich habe viel öfter Kopfschmerzen.»
«Ich fühle mich nicht mehr wie ich selbst.»
«Ich bin noch impulsiver als sonst.»
«Seither habe ich stärkere Stimmungsschwankungen.»
«Ich bin vergesslicher geworden.»
«Ich fühle mich wie abhängig von der Pille.»
Solche Erfahrungen verdienen Raum und Aufmerksamkeit. Gleichzeitig können diese Beschwerden ganz unterschiedliche Ursachen haben. Nicht jede Veränderung lässt sich eindeutig auf die Pille zurückführen – und nicht jede Frau erlebt hormonelle Verhütung gleich.
Manche Frauen wünschen sich deshalb eine Begleitung beim Absetzen. Sie möchten wissen, welche nicht-hormonellen Verhütungsmöglichkeiten es gibt und welche medizinischen oder ergänzenden Optionen bei ihren Beschwerden infrage kommen.

Und wie ist das mit Endometriose?
Erst vor Kurzem hatte ich ein Erstgespräch mit einer Frau, die seit vielen Jahren unter Mensschmerzen litt. Diese hatten über die Jahre zugenommen und waren zuletzt sehr stark geworden. Bei einer Untersuchung wurde Endometriose diagnostiziert. Ihr wurde eine hormonelle Gestagen-Therapie empfohlen.
Hormonelle Behandlungen wie Gestagene können bei Endometriose eingesetzt werden, um die Aktivität der Erkrankung und damit verbundene Schmerzen zu reduzieren. Sie sind eine mögliche Behandlungsoption – nicht die einzige. Welche Behandlung passt, hängt von der individuellen Situation, den Beschwerden, möglichen Nebenwirkungen und den persönlichen Wünschen ab.
Die Frau berichtete, dass ihre Schmerzen unter der Behandlung weniger wurden, sie sich psychisch jedoch zunehmend belastet fühlte. Sie beschrieb depressive Symptome und Suizidgedanken. Das ist eine sehr ernste Situation und muss unbedingt medizinisch begleitet werden.
Stimmungsschwankungen oder depressive Beschwerden können im Zusammenhang mit einer hormonellen Behandlung auftreten, haben aber nicht immer eine eindeutige Ursache.
Wenn du unter einer hormonellen Behandlung psychische Veränderungen bemerkst, sprich zeitnah mit deiner behandelnden Fachperson. Bitte setze Medikamente nicht eigenständig ab oder verändere die Einnahme nicht ohne Rücksprache. Bei Suizidgedanken ist sofortige Unterstützung wichtig – wende dich an eine medizinische Fachperson oder einen psychiatrischen Notfalldienst; bei unmittelbarer Gefahr an den Notruf.
Hat die Hormonpille Einfluss auf unser Körper- und Gefühlsleben?
Das kann sie – muss sie aber nicht. Manche Frauen bemerken Veränderungen bei Stimmung, Libido, Blutungsmuster oder Wohlbefinden. Andere fühlen sich mit der Pille sehr wohl und erleben sie als grosse Entlastung, beispielsweise bei starken Menstruationsbeschwerden.
Eine Klientin hat mir einmal erzählt: «Mit der Verhütungspille habe ich mich viel weniger gespürt. Aber das wurde mir erst nach dem Absetzen bewusst.»
Eine Freundin beschrieb ihre Erfahrung nach dem Absetzen als ein neues Körpergefühl: Sie nahm ihre Lust, ihre Bedürfnisse und ihre Gefühle wieder bewusster wahr. Das war ihre persönliche Erfahrung – und sie muss nicht für jede Frau gleich sein.
Für mich steht deshalb nicht die Frage im Zentrum, ob die Pille gut oder schlecht ist. Viel wichtiger ist: Wie geht es dir damit? Fühlst du dich wohl? Welche Beschwerden möchtest du angehen? Welche Form der Verhütung passt zu deinem Leben und deinen Bedürfnissen?
Wenn du die Pille absetzen möchtest, lohnt es sich, vorher über eine passende alternative Verhütung und mögliche Veränderungen deines Zyklus zu sprechen. Gerade bei Endometriose können Beschwerden nach dem Absetzen wieder stärker wahrnehmbar werden, wenn die hormonelle Behandlung zuvor Symptome unterdrückt hat. Das bedeutet nicht, dass du die Pille nehmen musst – aber du solltest die Entscheidung gut informiert und begleitet treffen können.
In diesem Sinne: Ein Hoch auf die Selbstbestimmung, auf das eigene Körpergefühl und auf Entscheidungen, die zu dir passen.



